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Sieben Älplerfamilien liessen vor 15 Jahren mit der Organisation der ersten Entlebucher Alpabfahrt alte Traditionen aufleben. Die Konstellation der teilnehmenden Betriebe hat sich im Verlauf der Jahre geändert. Bis heute sind jedoch ausschliesslich Älpler mit dabei, die mit dem eigenen Vieh ins Tal zurückkehren, wie mir Reto Theiler am frühen Morgen auf der Alp Äbnistetten erklärt. Der Organisationsaufwand ist trotz langjähriger Erfahrung nicht geringer geworden. Die Entlebucher Alpabfahrt hat sich zwischenzeitlich zu einem Grossanlass entwickelt. Je nach Wetter strömen über 10 000 Besucherinnen und Besucher nach Schüpfheim. Heute geht ein kühler Wind, und die Alp Äbnistetten am Fusse der Schafmatt auf 1200 Meter über Meer ist vom Nebel verhüllt. Ein Tag, wie gemacht, um der Alp Adieu zu sagen und sich auf den Hof im Tal zu freuen.

«Die Kuh, die als Erste in den Melkstand läuft, bekommt die grösste Treichel.»

Reto Theiler

Reto Theilers Wecker hat an diesem Morgen um fünf Uhr in der Früh geschrillt. Doch bereits die Tage zuvor gab es viel zu tun: Helfer organisieren, Abläufe koordinieren, Blumenschmuck vorbereiten und die Treicheln bereitstellen. Als ich kurz vor acht Uhr eintreffe, stehen seine 50 Brown-Swiss-Ladies sauber gestriegelt bereit. 25 der 50 Kühe erhalten für die Alpabfahrt grosse Treicheln, der Rest marschiert mit Schellen talwärts. Wie er denn entscheidet, welche Kuh die grösste Treichel erhält, will ich von Reto Theiler wissen. «Diejenige, die als Erste in den Melkstand läuft», beantwortet er meine Frage und ergänzt: «Zuvorderst braucht es eine Kuh, die zieht.» Rund 20 Verwandte und Bekannte unterstützen die Familie Theiler bei diesem Anlass. Bevor die Helfer die Treicheln verteilen, stärken sich alle mit einem heissen Kaffee. Danach wirds plötzlich hektisch. Reto Theiler wechselt seine Arbeitskleider gegen die Tracht, kontrolliert, ob alle Kühe bereitstehen, und gibt das Kommando zum Losmarschieren.

Gut 11 Kilometer sind es von der Alp Äbnistetten nach Schüpfheim hinunter. Eine ordentliche Strecke! Doch die Spitze der Treichelkühe legt ein zackiges Tempo vor, und bald ziehen auch die Nachzügler mit einem flotten Galopp nach. Ich komme bald einmal ins Schnaufen und muss mich sputen, um nicht abgehängt zu werden – so ein Alpabzug ist anstrengender als gedacht. Bei diesem Marschtempo brauchen wir keine Stunde bis zum bereits vorbereiteten Rastplatz gut vier Kilometer oberhalb von Schüpfheim. Hier werden die Kühe angebunden, erneut geputzt und danach mit Blumenkränzen geschmückt. Von dieser Stelle aus koordiniert Reto Theiler auch den Einmarschzeitplan mit seinen Älplerkollegen, die mit ihrem Vieh aus unterschiedlichen Richtungen in Schüpfheim eintreffen.  

Auf den ersten Blick scheint der bereits am Morgen erbrachte Putzaufwand umsonst gewesen zu sein. Beinahe jede Kuh hat trotz dem flotten Marschtempo mindestens einen Fladen fallen gelassen. Doch die 15 Jahre Alpabzugs-Erfahrung kommen Reto Theiler hier zugute. Das Putzzeug steht ebenso bereit wie der Blumenschmuck. Rund dreissig Minuten bleiben den Theilers, um ihr Vieh für den Einmarsch in Schüpfheim vorzubereiten. Jeder Helfer weiss, was er zu tun hat.

Nach einem kurzen Telefonanruf des Älplers, der vor ihm einmarschiert, gibt Reto Theiler das Startzeichen für den zweiten Teil der Alpabfahrt. Es gilt, die verbleibenden vier Kilometer innerhalb der kalkulierten dreissig Minuten zu bewältigen. Ich finde es eindrücklich, wie jede der sieben Älplerfamilien aus einer anderen Richtung kommt und man es dessen ungeachtet über all die Jahre schafft, einen minutiös getakteten Zeitplan für den Einmarsch in Schüpfheim einzuhalten. Trotz steifer Bise drängen sich die Besucherinnen und Besucher entlang der Hauptstrasse dicht an dicht. Einige haben sich etwas oberhalb von Schüpfheim am Strassenrand positioniert – hier stehen nicht zig Zuschauer den potenziellen Fotomotiven im Weg.

Ich begleite die Familie Theiler bis zum Restaurant Kreuz und suche mir danach einen geeigneten Standort, um den Einmarsch ins Dorf fotografisch festzuhalten. Und als die Familie Theiler mit ihren 50 Kühen wenige Minuten später strahlend durch Schüpfheim marschiert, frage ich mich, wie viele der Zuschauerinnen und Zuschauer sich bewusst sind, wie anstrengend so ein Alpabzug wirklich ist. Das Spektakel in Schüpfheim ist nämlich nur das Tüpfelchen auf dem i.

Erika S.
06. Nov 2018

Es wäre schön das einmal mitzuerleben

StadtLand-Redaktion

Liebe Erika,
danke für deinen Kommentar. Ja eine Alpabfahrt hautnah mitzuerleben, ist sehr spannend. Bei der Entlebucher Alpabfahrt besteht die Möglichkeit, die Plätze zu besuchen, wo die Kühe für den Einmarsch in Schüpfheim vorbereitet werden. Am besten nimmt man hierzu im Vorfeld mit dem Organisationskomitee Kontakt auf.
Beste Grüsse, Anita

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