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Im April und Mai, wenn sich die Blütenknospen der Obstbäume öffnen, wird die sanft-hügelige Landschaft des Thurgaus mit weissen, rosa und pinken Farbtupfer überzogen. Ein Naturspektakel, das jedes Jahr aufs Neue begeistert. Die Obstblüte ist nicht nur fürs Auge eine Pracht, sondern gleichzeitig der Saisonauftakt der Obstbauern. Die Blüte setzt den Grundstein für ein ertragreiches Obstjahr.

Unterwegs auf dem Altnauer Apfelweg

"Die ersten Blüten im Jahr sind immer ein besonderes Erlebnis", erzählt mir Rita Barth mit leuchtenden Augen. Die Obstbäuerin betreibt gemeinsam mit ihren Kindern den Feierlenhof in Altnau - eine Generationengemeinschaft, die ihren Hof mit viel Herzblut stetig weiterentwickelt. Ich habe meinen Ausflug an diesem Frühlingstag am Bahnhof Altnau gestartet, wo mich Lisi, Emma und Fredi begrüsst haben: Die bunten Apfelfiguren sind Namensgeber für die drei Apfelwege, die mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten durch Altnau und die umliegenden Obsthaine führen. Die Wege sind so ausgestaltet, dass für jedes Fitnesslevel und jedes Alter eine passende Strecke mit dabei ist. Um zum Feierlenhof zu gelangen, folge ich zuerst dem Apfelweg "Fredi". Die Informationstafeln auf dieser Route haben Rezepte, Sprichwörter und Rätsel rund um Äpfel und Birnen im Fokus. Ich lerne unter anderem, dass die Birne "Kaiser Alexander" kräftig, fest, süss und würzig im Aroma ist und sich für Desserts und zum Einmachen eignet. Nach zwei Kilometern trifft "Fredi" auf "Lisi", die auf ihren insgesamt 14 Stationen einen Einblick in die Arbeit der Obstbauern gibt.

Von Frühblühern und Spätblühern

Ich lasse den Dorfkern hinter mir und passiere bald einmal die ersten blühenden Obsthaine. "Welche Obstsorte hier wohl blüht?", frage ich mich unterwegs. "Zwetschge", beantwortet mir Rita Barth meine Frage wenige Minuten später, während wir unter drei wunderschön blühenden Kirschbäumen stehen. Über 50 Jahre haben diese Bäume bereits auf dem Buckel. Sie wurden gepflanzt, als der Feierlenhof 1964 gebaut wurde. Heute liegt der Hof inmitten weitläufiger Obstplantagen. Der Fokus des Betriebes liegt auf dem Anbau diverser Apfel- und Birnensorten - Zwetschgen und Kirschen ergänzen das Angebot.

Welche Blüte gehört zu Apfel, Birne, Kirsche?

"Kirschblüten erkennt man daran, dass sie büschelweise blühen", erklärt mir Rita Barth die botanischen Besonderheiten. Während die Zwetschgen- und Kirschbäume bereits in Vollblüte stehen, sind bei den Apfelbäumen erst vereinzelte Knospen aufgesprungen. Viele Apfelsorten haben wunderschön rote Knospen, die sich in zart rosa-weiss scheinende Blütenblätter verwandeln. Die Obstsorten werden in frühblühende und spätblühende Sorten eingeteilt. Beim Anbau achtet Familie Barth darauf, dass ähnliche Blütetypen miteinander kombiniert werden.

Die Gunst der Bienen

Dafür, dass aus einer zarten Blüte im späteren Jahresverlauf eine saftig-süsse Frucht entsteht, sind während der Blütezeit verschiedene Faktoren massgebend. Wichtig ist, dass die Blüten viel Licht erhalten und bestäubt werden. Mit dem richtigen Schnitt werden die Obstbäume für die Blütezeit fitgemacht, und die Hagelnetze werden so zurückgebunden, dass sie den Flug der Bienenvölker nicht beeinträchtigen. Einen Einfluss hat überdies die Wetterlage: Ideal sind kühle, aber frostfreie Nächte und sonnige Tage mit Temperaturen um die 15 Grad. Bei Sonnenschein sind die Bienen deutlich fleissiger als an kühlen, regnerischen Tagen. Fällt die Temperatur unter 10 Grad, ziehen sich die Bienen in ihren Wintersitz zurück. Aus diesem Grund hat Familie Barth in den Obstplantagen nicht nur eigene Bienenvölker im Einsatz, sondern auch Hummeln. Diese ertragen kühlere Temperaturen besser und übernehmen an Schlechtwettertagen einen Teil der Arbeit der Bienen. Doch nicht nur der Frost stellt eine Gefahr dar, sondern auch zu hohe Durchschnittstemperaturen - dann besteht Feuerbrand-Gefahr.

«Fällt die Temperatur unter 10 Grad, ziehen sich die Bienen in ihren Wintersitz zurück.»

Rita Barth

 

Hinzu kommt, dass Bienen veritable Feinschmecker sind und unterschiedliche Obstsorten gleichzeitig um die Gunst der Bienen ringen. "Zum Glück blühen nicht alle Sorten gleichzeitig", lacht Rita Barth und ergänzt: "Sonst hätten die Birnen einen schweren Stand." Diese sind bei den Bienen nämlich nicht so beliebt wie andere Obstbäume. Eine weitere Konkurrenz findet sich auf den Wiesen rund um die Obstplantagen. Die bunt blühenden Frühlingsblumen halten die Bienen ebenfalls auf Trab.

Der Wurm im Apfel

Der Apfelwickler ist verantwortlich für den "Wurm im Apfel". Mit Vorliebe bohrt er sich in Äpfel und Birnen ein, frisst Gänge und Kammern aus dem Fruchtfleisch und zerstört mit Heisshunger die Samenanlagen. Die Obstmade ist die Raupe des Apfelwicklerfalters. Durch sie werden die Früchte zum Teil notreif (erhöhte Samenproduktion, um der Bedrohung entgegenzuhalten) und fallen ab oder können nicht gelagert werden.

Statt gegen die Apfelwickler synthetische Pflanzenschutzmittel einzusetzen, verwenden die Obstproduzenten schon seit über 20 Jahren, die wie ein Stück Draht aussehenden, Dispenser. Diese werden noch vor dem ersten Flug in der Plantage verteilt aufgehängt. Mit einem künstlichen, dem Lockstoff der weiblichen Apfelwickler ähnlichen Duft werden die "liebeshungrigen" Apfelwickler-Männchen an der Nase herumgeführt. Das Männchen ist orientierungslos, findet das Weibchen nicht, und die Befruchtung bleibt aus. Keine Eiablage bedeutet weniger Schädlinge  und für den Obstbauern weniger Pflanzenschutz.

www.swissfruit.ch

Michèle H.
13. Mai 2019

Das ist eine sehr gute Methode. Hut ab!

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