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Was macht eine Kuh so den lieben langen Tag? Fressen, wiederkäuen, gemolken werden, fressen? Schwer vorzustellen, wie diese Aktivitäten tagefüllend sind. Darum wollte ich mir das mal live anschauen und habe lauter spannende und überraschende Sachen erfahren, zum Beispiel die Antwort auf die Frage, was Kühe jetzt vorziehen, den warmen Stall oder den kalten Aussenbereich.

8:00 Uhr

Als ich um acht Uhr auf dem idyllisch gelegenen Hof eintreffe, ist die allmorgendliche Betriebsamkeit gerade am Abflauen. Kurz nach fünf Uhr in der Früh gehen im Stall jeweils die Lichter an und wird die Melkmaschine in Betrieb genommen. Bis die rund 40 Kühe gemolken sind, dauert es gut zwei Stunden. Gleichzeitig werden die Liegeboxen frisch eingestreut und das Futter verteilt. Betriebsleiter Christian Arnold, Toni Arnold und ein Lehrling teilen sich die anfallenden Arbeiten auf.
Seit 2002 verfügt der Klosterhof über einen modernen Laufstall, der sich in einen Innenbereich, einen gedeckten Aussenbereich mit Liege- und Futterplätzen sowie einen grosszügigen ungedeckten Auslaufbereich aufteilt. Auf dieser Fläche können sich die Kühe in den Wintermonaten stets frei bewegen und selbst entscheiden, ob sie nun liegen, laufen, saufen, fressen oder sich unter das «Massagegerät» stellen möchten.
Ich lege mein Augenmerk an diesem Tag auf die Nummer 15 namens Mercedes. Dank den nummerierten Halsbändern fällt mir die Identifizierung der hübschen und freundlichen Brown-Swiss-Dame leicht. Mercedes steht entspannt mitten im Aussenbereich des Laufstalls und kaut gemächlich das Frühstück wieder.

10:00 Uhr

Während um acht Uhr im Gegensatz zu Mercedes noch nicht alle Ladies mit dem Fressen fertig waren und sich nur wenige im ungedeckten Aussenbereich des Laufstalls aufhielten, hat sich dieser nun merklich gefüllt. Rund um das Massagegerät herrscht regelrechter Andrang, und irgendwie scheint es, als gäbe es eine Reihenfolge, wer wann sein Fell an den Bürsten reiben darf.
Nachdem Mercedes ausgiebig Kopf, Rücken und Flanken mit dem Massagegerät bearbeitet hat, schreitet sie Richtung Stall. Nebst Salzlecksteinen befindet sich im Innern des Laufstalls eine Kraftfutterstation, wo jede Kuh selbstständig nach ihrem Befinden mit einem am Halsband angebrachten Chip ihre Kraftfutterration beziehen kann. Christian Arnold und sein Team überprüfen regelmässig, ob jede Kuh die zugeteilten Rationen frisst, und justieren bei Bedarf die Menge. Der Appetit einer Kuh ist ein gutes Indiz dafür, ob die Kuh gesund und munter ist oder ob allenfalls gesundheitliche Probleme feststellen. Wichtig für diese Beurteilung ist ausserdem der tägliche Kontakt beim Melken.

12:00 Uhr

Kurz vor dem Mittag sind nur noch wenige Kühe in den Liegeboxen im Stall anzutreffen. Die Mehrheit hält sich draussen an der frischen Luft auf und äugt erwartungsvoll zu den Futterplätzen. Toni Arnold steht dort schon mit der Gabel bereit und schaufelt Grassilage zu den Boxen. Jede Kuh kann sich nach Belieben ein genehmes Plätzchen suchen. Während Mercedes ihrem auserwählten Futterplatz treu bleibt, laufen andere mit Toni mit und versuchen, stets den Platz mit dem grössten Futterhaufen zu ergattern. Da und dort führt dieses freche «Reindrängeln» zu einem kurzen, friedlichen Kräftemessen.

14:00 Uhr

Während Mercedes und ihre Kolleginnen mit der Mittagsmahlzeit beschäftigt sind, nutze ich die Gelegenheit für einen Hofrundgang. Nebst den 40 Milchkühen sind auf dem Klosterhof auch Kälber, Ziegen, Hühner, Katzen und ein Hund anzutreffen. Zudem betreibt die Familie Arnold-Fässler einen Hofladen, wo unter der Leitung von Christians Frau Erika selbst hergestellte Spezialitäten wie Urner Eierteigwaren und Pflegeprodukte mit Kräutern aus dem Klostergarten verkauft werden.
Im Laufstall ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Die meisten Kühe halten eine Siesta und die Liegeplätze sind gut besetzt. Toni erzählt mir, dass er beim Bau des Laufstalls dachte, dass die Liegeplätze im gedeckten Aussenbereich weit weniger Anklang finden würden als diejenigen im Stall. Doch das Gegenteil ist eingetroffen. Trotz kühler Temperaturen ziehen die meisten Ladies einen Platz an der frischen Luft demjenigen im Stall vor – so auch Mercedes.

16:00 Uhr

Fressen, Wiederkäuen, Ruhen, Fellpflege und das eine oder andere kollegiale Geplänkel – nach 16:00 Uhr wird die Herde wieder aktiver und sammelt sich im Stall. Diese Gelegenheit nutzt Mercedes, um sich noch einmal an der Kraftfutterstation zu bedienen.
Am Abend übernimmt der Lehrling das Melken, während Toni und Christian den Stall reinigen und das Futter vorbereiten. Beim Neubau wurde bewusst auf eine vollautomatische Melkanlage verzichtet. Den täglichen Kontakt mit den Kühen schätzt das Team sehr.

18:00 Uhr

Mercedes ist fertig gemolken und schreitet von der Melkanlage gemächlich zu ihrem Futterplatz. Es besteht kein Grund zur Hektik, denn es ist genug für alle da. Und so endet mein Tag auf dem Klosterhof, wie er begonnen hat – mit entspannten Kühen, die draussen an der frischen Luft in aller Ruhe wiederkäuen.

Annelise H.
29. Mär 2019
Was Kühe so machen

Liebe Anita,
danke für Dein Interesse und Deine Arbeit. Es ist wichtig, dass man der Öffentlichkeit Einblick in die Milchwirtschaft gibt. Nun solltest Du aber die gleiche Arbeit einmal auf einen Betrieb mit Lely-Melkroboter machen und veröffentlichen, am besten auf einem, wo die Kühe auch Weidegang haben. Der Klosterhof in Seedorf ist - nach Deinen Bildern und Aussagen - sicher ein gut geführter Betrieb mit gutem Kuhkomfort. Trotzdem ist der Tagesablauf der Kühe streng von den Fütterungs- und Melkzeiten abhängig. Es ist also nicht so, dass die Kühe ein natürliches Verhalten zeigen können. Auf einem Roboterbetrieb mit freiem Kuhverkehr kann die Kuh stets fressen, trinken, liegen, Sozialkontakte pflegen und melken, wenn ihr Euter gefüllt ist. Es gibt keine Wartezeiten vor dem Melkstand, rangniedrige Tiere werden am Futtertisch nicht "freundlich" weggedrückt und an den Tränken gibt es keine Warteschlangen nach dem Melken. Wenn der Betrieb auch noch nach dem Kuhsignale-Konzept ausgelegt ist (die sechs Freiheiten der Weide - Licht/Luft/Raum/Ruhe/Wasser/Futter) kannst Du am besten sehen, was die Kuh so den ganzen Tag und in der Nacht machen würde, wenn sie nicht durch streng strukturierte, vom Menschen vorgegebene Abläufe daran gehindert würde. Du sprichst auch den Kontakt mit dem Menschen an. Kühe auf Roboterbetrieben sind meistens zutraulicher und gelassener den Menschen gegenüber, weil sie nicht mehr getrieben werden. Sie merken sehr schnell, dass der Mensch nicht jedes Mal etwas von ihnen will sondern oft einfach da ist und irgendwelche Arbeiten wie Boxen- oder Tränkepflege betreibt. Manchmal gibt des bei dieser Gelegenheit eben auch noch Streicheleinheiten.

StadtLand-Redaktion

Liebe Annelise
Danke für deinen spannenden Input. Ich finde es ebenfalls erstrebenswert, Milchkühen einen möglichst grossen Freiraum zu gewähren, der sich an ihren natürlichen Bedürfnissen orientiert. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit, dass ich einen Betrieb mit Melkroboter portraitieren kann. 
Freunldiche Grüsse, Anita

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