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Ich heisse Samuel Imboden und bin Landwirt sowie Produzent von erneuerbarer Energie. Auf die Idee, eine Biogasanlage zu bauen, ist mein Onkel gekommen – und zwar schon vor vielen Jahren. Als ich 2002 nach meiner Ausbildung auf den Betrieb zurückkehrte, wurde das Ganze konkreter, im Juni 2005 war Baustart und im November desselben Jahres nahmen wir die erste komplette Biogasanlage des Kantons Aargau in Betrieb.

So produzieren wir erneuerbare Energie.

Den Mist, den unsere 45 Milchkühe, Kälber und Pferde Tag für Tag produzieren, füllen wir zusammen mit Getreide- und Gemüserüstabfällen direkt in die Grube unserer Biogasanlage ein. Dort gelangt die Mischung in einen Gärbehälter. Dieser sogenannte Fermenter ist vorgängig mit Bakterien "geimpft" worden. Nur mit den richtigen Bakterien entsteht bei der Gärung Methan. Diese Bakterien sind sehr sensibel und man muss gut für sie sorgen. Sie brauchen eine konstante Temperatur und wie Tiere müssen sie regelmässig gefüttert werden. Dabei dürfen sie nicht mit Sauerstoff in Berührung kommen. Nur so kommt es zur Bildung von Blasen und bei deren Zerplatzen zur Freisetzung von Methan. Dieses wird dann in einem Motor verbrannt, der einen Generator antreibt und so Strom produziert. Man kann sich das ein bisschen ähnlich vorstellen wie bei einem Automotor, der mit Erdgas betrieben wird. Wobei das Erdgas mit einem Methananteil von 98% energiereicher ist als Biogas, das aus "nur" 60% Methan besteht.

Es entstehen zwei wertvolle Energien: Wärme und Strom.

In der Biogasanlage ist es immer sehr warm, weil beim Verbrennen von Biogas viel Wärme entsteht. Diese Wärme lassen wir nicht einfach entweichen. Wir nutzen diese zum Beispiel zum Trocknen von Heu, das wiederum unseren Tieren als Futter dient. So entsteht ein geschlossener, ökologischer Kreislauf. Mit der aktuellen Umstellung unseres Hofes auf biologische Landwirtschaft produzieren wir schon bald noch naturnaher.

Ein geschlossener, regionaler Kreislauf liegt mir sehr am Herzen.

(Samuel Imboden)

 

Das Hauptprodukt ist natürlich Strom. Diesen nutzen wir selber und versorgen zusätzliche weitere 250 Haushalte damit. Denn unser Strom fliesst ins örtliche Stromnetz und liefert so rund ums Jahr umweltfreundliche Energie.

Ein Blick in die Zukunft

Wir hatten das Glück, dass wir vom Bund finanzielle Unterstützung für unsere Biogasanlage erhalten haben. Leider werden ähnliche Projekte nur noch bis Ende 2022 unterstützt. Die Zukunft der Biogasanlagen in der Schweiz ist also ungewiss. Solche Anlagen kosten viel Geld und ohne finanzielle Unterstützung ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich.

Geschlossene Kreisläufe dürften in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Landwirtschaftliche Betriebe sind geradezu prädestiniert dafür. Zum Beispiel für die Stromproduktion mittels Solaranlagen auf dem Hausdach – etwas, das auch für Eigenheimbesitzer eine gute Möglichkeit darstellt, selber erneuerbare Energie zu produzieren.

Ich träume davon, dass wir Sonnenenergie eines Tages noch effizienter speichern können als heute. Dann könnten wir den Verbrauch von fossilem Brennstoff auf den landwirtschaftlichen Betrieben stark reduzieren. Dazu braucht es leistungsfähige Elektro-Traktoren mit starken Batterien, damit der Traktor auch für einen ganzen Tag genügend Energie hat. Das ist aktuell zwar noch utopisch, aber in zehn Jahren vielleicht schon Normalität. Wer weiss – alles beginnt schliesslich einmal mit einer Idee.

Ich glaube, dass jede und jeder aktiv etwas zum Klimaschutz beitragen kann. Meine Tipps:

Grosses beginnt im Kleinen: Wer das Klima schützen will, braucht innovative Ideen. Dazu braucht es keine Grossprojekte wie eine Biogasanlage. Man kann auch klein anfangen. Es reicht, einfach mal zu versuchen, weniger Abfall zu produzieren oder die Gemüseabfälle der Grüngutabfuhr mitzugeben, damit daraus Strom, Wärme oder wertvoller Kompost entstehen kann.

Gemeinsam können wir viel erreichen: Ich erlebe es immer wieder auf meinem Betrieb, wie viel Sinnvolles entstehen kann, wenn mehrere Menschen zusammenspannen. Nutze Synergien und tausche dich auch mal mit den Nachbarn aus. So entstehen Ideen.

Mach Klimaschutz zum Thema: Mach dir einfach mal ganz frei Gedanken zum Thema Klimaschutz. Check deinen Lebensstil oder überleg mal, ob du deinen Strommix zu Hause optimieren kannst. Egal, wichtig ist, dass Klimaschutz in den Köpfen Einzug hält.

 

Weitere Informationen zu "Energie vom Bauernhof"

In Zusammenarbeit mit

Gerda S.
08. Jun 2020
Energie vom Bauernhof

Finde ich eine sehr sinnvolle Sache. Weshalb werden solche Anlagen vom Bund nicht mehr unterstützt? Die Bauern hätten weniger Probleme mit der Gülle, was wieder dem Grundwasser zugute käme.

StadtLand-Redaktion

Liebe Gerda,

es ist ein befristetes Projekt vom Bund, das Biogasanlagen finanziell unterstützt. Die kostendeckende Einspeisevergütung läuft nun per 2022 aus. Das Projekt hat eine Laufzeit von 20 Jahre und geht nun dem Ende zu. Es zeigt, dass Biogasanlagen auf den Bauernhöfen erfolgreich umgesetzt werden konnten und heute rentabel betrieben werden, wie das Beispiel von Samuel Imboden zeigt. Man darf nicht vergessen, es ist eine kostenintensive Technologie, d.h. eine Anlage kostet 1-2 Mio. Franken. Ja, das ist korrekt. Je mehr Gülle auf die Felder ausgebracht wird, desto höher ist die Belastung des Grundwassers durch Stickstoff. So gesehen ist es sinnvoll, die Gülle als Energieproduzent nutzen zu können und gleichzeitig das Grundwasser zu schonen.

Viele Grüsse, Samuel

Verena R.
30. Jun 2020
Energie

Bravo! Ein Landwirt der mehr überlegt und dann handelt. Andere Bauern sollten daran ein Beispiel nehmen. Ein besonderes Merkmal fällt auf, Samuel Imboden ist dazu noch sehr tierlieb, das sieht man allein beim Kälbchen, das sehr zufrieden ausschaut. Da möchte man gerne Tier sein! Danke Samuel Imboden!

ritanna S.
30. Jun 2020
Fermentieren - Bokashi

Fermentieren, das freut mich sehr zu hören/lesen. Im Kleinen kann auch beginnen, was allen dient - ist doch gemeint. Ich fermentiere in meinem Einpersonenhaushalt alle Rüstabfälle und Pflanzenabraum von Balkon, Sitzplatz. Ich muss der Grünabfuhr nichts mitgeben, muss keine Pflanzen - Kübelpflanzen - Erde mehr kaufen, keinen Dünger , keinen Flüssigdünger mehr kaufen. Sogar die MIGROS und andere Detailisten bieten jetzt Haushalteimer an. (man kann ihn selbst herstellen). Ich besuche vorzeige Kurse EM mit Bäuerinnen und ich staune, wie innovativ sie sind. Ich kann nur lernen.

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